Dekubitus vorbeugen: Warum die richtige Matratze allein nicht reicht

Dekubitus vorzubeugen ist besonders bei Menschen mit eingeschränkter Mobilität wichtig. Viele denken dabei zuerst an das Pflegebett und eine Antidekubitusmatratze. Doch Druckbelastungen entstehen nicht nur beim Liegen – auch langes Sitzen im Stuhl, Pflegesessel oder Rollstuhl sowie gefährdete Fersen sollten bei der Dekubitusprophylaxe berücksichtigt werden.
Bei Dekubitus denken viele Menschen zuerst an bettlägerige Patientinnen und Patienten – und damit automatisch an eine Antidekubitusmatratze.
Das ist grundsätzlich richtig: Wer lange liegt und seine Position nicht ausreichend selbst verändern kann, benötigt besondere Aufmerksamkeit und gegebenenfalls eine geeignete druckentlastende Matratze.
Welche Möglichkeiten es zur Druckentlastung im Pflegebett gibt, erklären wir ausführlich in unserem Ratgeber Antidekubitusmatratzen – welche Matratze ist die richtige?
Doch ein wichtiger Punkt wird dabei leicht übersehen: Dekubitusprophylaxe endet nicht am Bettrand.
Denn auch außerhalb des Bettes können über längere Zeit Druckbelastungen entstehen – beispielsweise beim Sitzen im Rollstuhl oder am gewohnten Küchensessel. Auch die Fersen sind besonders gefährdete Körperstellen.
Gerade bei Menschen mit stark eingeschränkter Mobilität sollte deshalb nicht nur gefragt werden:
„Wie liegt die Person im Bett?“
Sondern auch:
„Wie verbringt sie den restlichen Tag?“
Was ist ein Dekubitus eigentlich?

Ein Dekubitus – umgangssprachlich häufig als Druckgeschwür bezeichnet – ist eine Schädigung der
Haut und/oder des darunterliegenden Gewebes, die durch länger anhaltenden Druck oder Druck in Kombination mit Scherkräften entstehen kann.
Besonders gefährdet sind Körperstellen, an denen Knochen relativ nah unter der Haut liegen.
Dazu gehören unter anderem das Kreuz- und Steißbein, die Hüften, Sitzbeinbereiche und Fersen.
Kann ein Mensch seine Position selbstständig verändern, reagiert der Körper normalerweise auf unangenehmen Druck: Wir rutschen ein Stück zur Seite, stehen auf oder verändern unsere Liegeposition.
Bei stark eingeschränkter Mobilität kann genau diese wichtige Eigenbewegung fehlen.
Nicht nur das Bett zählt
Eine hochwertige Antidekubitusmatratze kann ein wichtiger Bestandteil der Dekubitusprophylaxe sein.
Sie löst aber nicht automatisch das Problem für den gesamten Tag.
Stellen wir uns beispielsweise eine pflegebedürftige Person vor, die nachts auf einer geeigneten Matratze liegt, tagsüber jedoch mehrere Stunden im Rollstuhl oder auf der gewohnten Sitzbank verbringt und ihre Sitzposition kaum selbst verändern kann.
Dann verändert sich lediglich der Ort der Druckbelastung.
Deshalb sollte die Dekubitusprophylaxe den gesamten Tagesablauf berücksichtigen – Liegen, Sitzen, Mobilisation und Transfers.
Langes Sitzen: Druckentlastung nicht vergessen
Rollstuhl, Pflegerollstuhl und Pflegesessel ermöglichen Menschen mit eingeschränkter Mobilität, am Alltag teilzunehmen und Zeit außerhalb des Bettes zu verbringen.
Das ist wichtig.
Kann die betreffende Person ihre Sitzposition allerdings nicht oder nur eingeschränkt selbst verändern, sollte auch die Sitzsituation genauer betrachtet werden.
Hier können geeignete druckentlastende Sitzkissen eine wichtige Unterstützung darstellen.
Je nach Bedarf stehen unterschiedliche Materialien und Konstruktionen zur Verfügung. Entscheidend ist nicht einfach, dass ein Kissen möglichst weich ist.
Ein geeignetes Antidekubitus-Sitzkissen soll zur Person, zum verwendeten Sessel oder Rollstuhl und zur individuellen Situation passen.
Warum ein normales weiches Kissen nicht dasselbe ist
„Dann legen wir einfach ein weiches Polster darunter.“
Dieser Gedanke liegt nahe – ist aber nicht automatisch die richtige Lösung.
Ein sehr weiches Kissen kann dazu führen, dass die Person tief einsinkt. Dadurch können Sitzposition, Stabilität und sogar das Aufstehen beeinträchtigt werden.
Bei einem Rollstuhl verändert ein zusätzliches Kissen außerdem die Sitzhöhe und damit unter Umständen auch die Position zu Fuß- und Armstützen.
Bei erhöhtem Dekubitusrisiko sollte daher gezielt eine dafür vorgesehene Sitzlösung ausgewählt werden.
Corpoform: Druckentlastung für unterschiedliche Pflegesituationen
Eine weitere interessante Möglichkeit ist die Corpoform - ein viskoelastischer Schaumstoff.
Solche Hilfsmittel können dabei unterstützen, den Körper zu positionieren und gefährdete Bereiche gezielt zu entlasten.
Der große Vorteil liegt in ihrer Anpassungsfähigkeit: Je nach Ausführung lassen sie sich für unterschiedliche Lagerungs- und Positionierungsaufgaben einsetzen und auch problemlos zuschneiden.
Gerade bei Menschen, die ihre Position nicht mehr ausreichend selbst verändern können, kann dieser viskoelastische Schaumstoff deshalb ein wichtiger Baustein im Pflegealltag sein.
Dabei gilt allerdings auch hier: Die richtige Positionierung ist individuell. Bei bestehendem Dekubitus oder besonders hohem Risiko sollte die Lagerung gemeinsam mit medizinischem bzw. pflegerischem Fachpersonal abgestimmt werden.
Besonders gefährdet und leicht vergessen: die Fersen
Ein Körperbereich verdient bei der Dekubitusprophylaxe besondere Aufmerksamkeit:
die Fersen.
An der Ferse liegt zwischen Haut und Knochen nur relativ wenig schützendes Gewebe. Gleichzeitig kann beim längeren Liegen oder auch Sitzen, kontinuierlich Druck auf diesen Bereich wirken.
Hinzu kommt, dass die Fersen im Alltag leicht aus dem Blick geraten.
Deshalb lohnt sich bei immobilen oder stark bewegungseingeschränkten Menschen ein regelmäßiger Blick auf die Haut.
Fersenschoner können gezielt entlasten
Für gefährdete Fersen gibt es spezielle Fersenschoner beziehungsweise Hilfsmittel zur Fersenfreilagerung und Druckentlastung.
Je nach Produkt wird der Druck dabei verteilt oder die Ferse so positioniert, dass der gefährdete Bereich entlastet wird.
Gerade wenn eine Person sehr viel liegt und ihre Beine kaum selbstständig bewegt, kann eine geeignete Fersenentlastung eine sinnvolle Ergänzung des Lagerungskonzeptes sein.
Wichtig ist dabei die korrekte Anwendung: Ein Fersenschoner sollte passend ausgewählt, richtig angelegt und die Haut trotzdem regelmäßig kontrolliert werden.
Matratze, Sitzkissen, Corpoform oder Fersenschoner?
Die Antwort lautet häufig:
Nicht entweder – sondern "oder".
Die verschiedenen Hilfsmittel erfüllen unterschiedliche Aufgaben.
Eine Antidekubitusmatratze unterstützt die Druckentlastung beim Liegen.
Ein Antidekubitus-Sitzkissen berücksichtigt die Druckbelastung beim längeren Sitzen.
Corpoform- und andere Lagerungshilfen können bei Positionierung und gezielter Entlastung unterstützen.
Fersenschoner bzw. Fersenfreilagerungen konzentrieren sich auf einen besonders gefährdeten Körperbereich.
Welche Kombination sinnvoll ist, hängt immer von Mobilität, Hautzustand, Sitz- und Liegezeiten sowie der individuellen Pflegesituation ab.
Das beste Hilfsmittel ersetzt nicht die Beobachtung
Bei aller Technik bleibt ein Punkt besonders wichtig:
Schauen Sie hin.
Die Haut gefährdeter Körperstellen sollte regelmäßig kontrolliert werden. Auffällige, anhaltende Rötungen oder andere Hautveränderungen sollten ernst genommen und fachlich beurteilt werden.
Auch Veränderungen der Mobilität sind wichtig.
Eine Person, die sich vor einigen Wochen noch selbstständig im Sessel bewegt hat, kann inzwischen möglicherweise wesentlich länger in derselben Position sitzen.
Damit kann sich auch ihr Dekubitusrisiko verändern.
Unser Fazit: Dekubitusprophylaxe rund um die Uhr denken
Dekubitusprophylaxe beginnt nicht erst bei einer Hautveränderung – und sie endet nicht beim Verlassen des Pflegebettes.
Gerade bei stark eingeschränkter Mobilität lohnt es sich, Liegen und Sitzen gemeinsam zu betrachten.
Antidekubitusmatratzen, geeignete Sitzkissen, Corpoform-Lagerungshilfen und Fersenschoner können dabei unterschiedliche Aufgaben übernehmen.
Das gemeinsame Ziel ist, gefährdete Körperbereiche bestmöglich zu entlasten und die vorhandene Eigenbewegung zu unterstützen.
Je früher mögliche Druckbelastungen erkannt werden, desto besser kann darauf reagiert werden.
Bei uns stehen nicht die Produkte im Mittelpunkt, sondern die Menschen, die sie brauchen.
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