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Wenn Mama oder Papa unsicher auf den Beinen werden – was Angehörige tun können

vor 2 Tagen
5 Min. Lesezeit
Älterer Mann mit Rollator wird von einer Angehörigen beim sicheren Gehen durch die Wohnung unterstützt.
Mehr Sicherheit im Alltag – ohne die Selbstständigkeit aus den Augen zu verlieren.

Oft beginnt es ganz unauffällig.

Mama hält sich beim Aufstehen plötzlich am Tisch fest. Papa geht langsamer als früher und sucht beim Gehen immer wieder Halt an Möbeln. Vielleicht gab es auch schon einen kleinen Sturz – zum Glück ohne größere Verletzung – und seitdem ist die Unsicherheit da.

Für Angehörige ist es nicht immer leicht einzuschätzen, wann man etwas verändern sollte. Schließlich möchte man niemandem das Gefühl geben, nicht mehr alleine zurechtzukommen.

Doch genau darum geht es auch gar nicht.

Das Ziel sollte sein, die Selbstständigkeit möglichst lange zu erhalten und dort für Sicherheit zu sorgen, wo sie gebraucht wird.

Oft können schon kleine Veränderungen im Zuhause einen großen Unterschied machen.





1. Erste Anzeichen ernst nehmen


Nicht erst ein Sturz zeigt, dass jemand beim Gehen oder Aufstehen unsicher geworden ist.

Manchmal sind es kleine Veränderungen, die Angehörigen auffallen:


  • Beim Aufstehen wird immer häufiger Halt an Möbeln gesucht

  • Die ersten Schritte nach dem Aufstehen wirken unsicher

  • Treppen werden plötzlich gemieden

  • Beim Drehen oder Rückwärtsgehen geht das Gleichgewicht leichter verloren

  • Der Weg zur Toilette in der Nacht wird schwieriger

  • Die Person geht deutlich langsamer oder macht kleinere Schritte

  • Aus Angst vor einem Sturz werden Wege oder Aktivitäten vermieden


Wenn Sie solche Veränderungen bemerken, lohnt es sich, genauer hinzusehen.

Dabei können ganz unterschiedliche Ursachen dahinterstecken – von nachlassender Kraft über Sehprobleme und Medikamente bis hin zu Erkrankungen oder Kreislaufbeschwerden. Wiederkehrender Schwindel, plötzlich auftretende Gangunsicherheit oder häufige Stürze sollten deshalb auch ärztlich abgeklärt werden.

Gleichzeitig kann man sich zu Hause eine einfache Frage stellen:

Wo könnte es schwierig oder gefährlich werden, wenn Mama oder Papa einmal nicht ganz sicher auf den Beinen ist?





2. Gehen Sie einmal mit anderen Augen durch die Wohnung


Wir kennen unsere eigene Wohnung so gut, dass wir viele kleine Hindernisse gar nicht mehr wahrnehmen.

Für einen Menschen, der unsicher geht, können genau diese Kleinigkeiten zum Problem werden.

Lose Teppiche, Kabel am Boden, eine schlecht erkennbare Türschwelle oder ein kleiner Beistelltisch mitten im Weg sind schnell übersehen.

Gehen Sie deshalb einmal bewusst den typischen Weg durch die Wohnung ab:

Vom Bett zur Toilette. Vom Wohnzimmer in die Küche. Zur Haustür. Ins Badezimmer.

Ist genügend Platz vorhanden? Gibt es etwas, worüber man stolpern könnte? Muss man sich irgendwo zwischen Möbeln hindurchzwängen? Ist der Weg auch am Abend gut beleuchtet?

Manchmal braucht es gar kein Pflegehilfsmittel.


Ein Teppich weniger, ein freier Durchgang oder ein zusätzliches Licht können bereits viel bewirken.





3. Aufstehen ist oft schwieriger als das Gehen selbst


Wer an Sturzgefahr denkt, denkt meistens zuerst ans Gehen.

Dabei entstehen viele unsichere Situationen schon beim Aufstehen und Hinsetzen.

Ein sehr niedriger Lieblingssessel kann plötzlich zum Problem werden. Das Gleiche gilt für ein niedriges Bett oder eine Toilette, von der man nur noch mit viel Kraft wieder hochkommt.

Beobachten Sie einmal, wie Ihr Angehöriger aufsteht.

Muss er mehrmals Schwung holen? Zieht er sich an einem Möbelstück hoch? Kippt der Oberkörper beim Aufstehen stark nach vorne? Oder muss jemand jedes Mal mithelfen?

Dann lohnt es sich zu überlegen, wie dieser Bewegungsablauf sicherer werden kann.

Je nach Situation können eine geeignete Sitzhöhe, stabile Armlehnen oder eine Aufstehhilfe bereits unterstützen. Bei stärkeren Einschränkungen gibt es weitere Hilfsmittel, die das Aufstehen und Umsetzen erleichtern können.

Wichtig ist dabei immer: Das Hilfsmittel sollte zur Person passen – nicht umgekehrt.





4. Badezimmer und Toilette besonders beachten


Im Badezimmer kommen gleich mehrere Dinge zusammen: glatte Oberflächen, Nässe, wenig Platz und Bewegungen wie Hinsetzen, Aufstehen oder das Ein- und Aussteigen aus Dusche und Badewanne.

Wer ohnehin schon etwas unsicher auf den Beinen ist, braucht hier oft zusätzlichen Halt.

Haltegriffe können beispielsweise Sicherheit beim Aufstehen oder Einsteigen geben. Wer nicht mehr längere Zeit sicher stehen kann, kann die Körperpflege mit einem Duschhocker oder Duschstuhl im Sitzen durchführen. Auch eine zu niedrige Toilette lässt sich mit einer Toilettensitzerhöhung leichter benutzen.

Dabei muss nicht gleich das ganze Badezimmer umgebaut werden.

Oft geht es darum, genau jene Stelle zu finden, an der die Unsicherheit entsteht – und dort gezielt zu unterstützen.






5. Was ist nachts anders?


Manche Menschen kommen tagsüber noch sehr gut alleine zurecht und werden erst nachts unsicher.

Man ist müde, das Licht ist gedämpft und vielleicht muss es plötzlich schnell zur Toilette gehen.

Deshalb lohnt es sich, den Weg vom Bett zur Toilette auch einmal in der Nacht anzusehen.

Ist er ausreichend beleuchtet? Liegt etwas im Weg? Muss eine Türschwelle überwunden werden? Kann die Person Hilfe holen, wenn das Aufstehen einmal nicht klappt?

Je nach Pflegesituation können ein Toilettenstuhl in Bettnähe, ein Patientenruf oder eine Sensormatte zusätzliche Sicherheit bieten.

Zu diesem Thema haben wir bereits einen eigenen Ratgeber zusammengestellt:






6. Wann kann eine Gehhilfe sinnvoll sein?


Ein Gehstock oder Rollator wird von manchen Menschen zunächst mit einem Verlust an Selbstständigkeit verbunden.

Dabei kann genau das Gegenteil der Fall sein.

Wenn eine passende Gehhilfe Sicherheit gibt, können Wege wieder möglich werden, die vorher aus Angst vermieden wurden.

Welche Unterstützung geeignet ist, hängt jedoch stark von der Person ab. Ein Gehstock ist nicht automatisch für jeden die richtige Lösung und auch ein Rollator sollte zur Körpergröße, Beweglichkeit und Umgebung passen.

Gerade bei neuen oder stärkeren Gangproblemen ist eine fachliche Beurteilung sinnvoll. Physiotherapeut, Ärzt oder andere Fachpersonen können dabei unterstützen, die Mobilität einzuschätzen und den sicheren Umgang mit einer Gehhilfe zu erlernen.

Denn ein Hilfsmittel soll nicht einfach nur vorhanden sein.

Es soll auch sicher verwendet werden können.





7. Nach einem Sturz bleibt manchmal die Angst


Ein Sturz hinterlässt nicht immer nur körperliche Spuren.

Auch wenn nichts gebrochen oder ernsthaft verletzt wurde, bleibt bei vielen Menschen die Angst:

Was, wenn es wieder passiert?

Dann werden Wege vermieden. Man steht seltener auf. Der Spaziergang wird ausgelassen. Vielleicht möchte man auch nicht mehr alleine ins Badezimmer gehen.

Für Angehörige ist das verständlicherweise schwierig.

Aus Sorge möchte man schützen – gleichzeitig soll der Mensch nicht immer unselbstständiger werden.

Deshalb ist es wichtig, Sicherheit und Selbstständigkeit nicht als Gegensätze zu betrachten.

Gute Unterstützung soll nicht möglichst viel Bewegung verhindern. Sie soll dabei helfen, Bewegung wieder sicherer zu machen.





8. Kleine Veränderungen können viel bewirken


Wenn Sie das Gefühl haben, dass Ihr Angehöriger unsicherer geworden ist, schauen Sie zunächst gemeinsam auf die Situationen, die im Alltag Schwierigkeiten machen.

Vielleicht helfen Ihnen diese Fragen:


✓ Ist der Weg durch die Wohnung frei?

✓ Gibt es lose Teppiche, Kabel oder andere Stolperfallen?

✓ Ist besonders nachts ausreichend Licht vorhanden?

✓ Kann die Person sicher aus Bett und Sessel aufstehen?

✓ Ist die Toilette gut erreichbar?

✓ Gibt es im Badezimmer ausreichend Halt?

✓ Wird beim Gehen bereits Unterstützung benötigt?

✓ Kann im Notfall Hilfe gerufen werden?


Nicht jede dieser Fragen bedeutet automatisch, dass ein Hilfsmittel notwendig ist.

Aber sie helfen dabei herauszufinden, wo Unterstützung tatsächlich sinnvoll sein könnte.





Sicherheit beginnt mit Hinschauen


Es muss nicht erst etwas passieren, bevor man über Sicherheit im Alltag nachdenkt.

Wenn Sie bemerken, dass Ihre Mutter, Ihr Vater oder Ihr Partner beim Gehen oder Aufstehen unsicherer wird, lohnt es sich, frühzeitig hinzuschauen.

Manchmal genügt eine kleine Veränderung in der Wohnung. Manchmal hilft ein einfaches Hilfsmittel. Und manchmal braucht es eine umfassendere Lösung.

Sie müssen aber nicht selbst wissen, welches Produkt das richtige ist.



Bei uns stehen nicht die Produkte im Mittelpunkt, sondern die Menschen, die sie brauchen.


Wie Nestelberger Krankenpflege Sie unterstützen kann:


Jede Beratung beginnt mit einem offenen Ohr und einem persönlichen Gespräch. Wir möchten Ihre Situation verstehen, bevor wir Empfehlungen aussprechen – individuell, ehrlich und ohne Zeitdruck.

Wir nehmen uns Zeit für Ihre Fragen und begleiten Sie mit Fachwissen, Erfahrung und Menschlichkeit. Gemeinsam finden wir Lösungen, die Ihren Alltag erleichtern und zu Ihren persönlichen Bedürfnissen passen.


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